GFA – die Gesundheitsfolgenabschätzung: bessere Ergebnisse und mehr Zufriedenheit in allen Politik- und Gesellschaftsbereichen

Stellen Sie sich vor, eine Einkaufsstraße mit klar begrenzter Fahrbahn für (motorisierte) Fahrzeuge soll in eine Begegnungszone umgewandelt werden, also in einen verkehrsberuhigten Bereich, in dem Fußgänger Vortritt vor Fahrzeugen haben. Vorerst erscheint das vor allem positiv, denn der Verkehr wird entschleunigt und die aktive Bewegung durch Zu-Fuß-Gehen gefördert. Trotzdem ist es wichtig auch die folgenden Fragen zu stellen: Birgt die Begegnungszone nicht auch Konfliktpotenzial bzw. Gefahren für unterschiedliche Nutzergruppen wie FußgängerInnen, RadfahrerInnen, LenkerInnen der öffentlichen Verkehrsmittel (z.B. Autobusse) etc.? Gibt es Möglichkeiten, die positiven Aspekte zu verstärken, z. B. durch eine ansprechende Gestaltung, die unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt und dazu beiträgt, dass die Menschen dort gerne zu Fuß gehen und sich wohl fühlen? Mit der Gesundheitsfolgenabschätzung (GFA) gibt es ein Instrument, das unterschiedlichste (politische) Maßnahmen, Strategien und Projekte dahingehend optimieren kann, dass ein bestmöglicher Nutzen für alle Betroffenen erzielt wird und gleichzeitig negative Folgen minimiert werden.

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Was ist eine GFA?

Die Gesundheitsfolgenabschätzung ist in Österreich eine freiwillige Maßnahme.  Laut GÖG/ÖBIG ist sie definiert als „systematischer Prozess zur Analyse und Bewertung geplanter politischer Vorhaben hinsichtlich der möglichen positiven und negativen Auswirkungen auf die Gesundheit sowie deren Verteilung innerhalb der Bevölkerung.“ Sie ist ein international erprobtes Instrument zur Analyse und Bewertung von Strategien, Programmen, Projekten. Außerdem unterstützt sie evidenzbasierte Entscheidungsfindung. Sie dient dazu, politische Entscheidungen im Sinne einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik informierter zu gestalten. Positive Auswirkungen auf die Gesundheit können verstärkt und negative Auswirkungen abgefedert werden. Ihr Ergebnis sind konkrete Handlungsempfehlungen, die den Umsetzungsprozess des Vorhabens unterstützen.

Zu Beginn werden auf Basis einer Daten- und Literaturrecherche, die auch Fragen der gesundheitlichen Chancengerechtigkeit berücksichtigt, mögliche Auswirkungen des geplanten Vorhabens auf die Gesundheit der Menschen sichtbar gemacht. Danach werden Betroffene mit ihren Wünschen, Anregungen und Befürchtungen aktiv  mit einbezogen. Aus all diesen Ergebnissen resultieren konkrete Handlungsempfehlungen, die optimaler Weise bereits in die Planung integriert werden können. Dadurch verbessern sich die Akzeptanz für die geplante Maßnahme sowie die Transparenz des Planungsprozesses. Das Vorhaben kann dadurch noch effektiver umgesetzt werden.

GFA im Dreieck zwischen Gesundheitsförderung, gesundheitlichen Ungleichheiten und HiAP / ©GÖG

Wie kommt eine GFA zustande?

Folgende Schritte sind vorab zu tun:

·        Kontaktaufnahme mit der GFA-Support-Unit an der Gesundheit Österreich GmbH oder mit anderen GFA-kundigen Institutionen: https://gfa.goeg.at/

·        Erstgespräch und Prä-Sichtung zum Vorhaben

·        Durchführung beauftragen

Die eigentliche GFA besteht dann aus weiteren 5 Schritten: Sichtung, Planung, Bewertung, Berichtslegung (Empfehlungen), Evaluation.

Ausführlichere Informationen dazu finden sich in der Broschüre „Gesundheitsfolgenabschätzung“. Kostenlose Bestellung unter: https://broschuerenservice.sozialministerium.at/

Wer hat in Österreich GFA-Expertise?

Die GFA-Support-Unit an der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) ist die zentrale Anlaufstelle in Sachen GFA. Mit ihrer Unterstützung  wurden bereits mehrere Pilotprojekte durchgeführt, 2 x jährlich trifft sich der GFA-Lenkungsausschuss und 1x jährlich findet das GFA-Netzwerktreffen statt. Neben der GFA-Support-Unit an der GÖG gibt es in Österreich auch an Universitäten, Fachhochschulen und Institutionen mit Public-Health-Schwerpunkten Expertise zum Thema. So beispielsweise am Institut für Gesundheitsförderung und Prävention (IfGP) oder an der FH Joanneum. Die GFA-Support-Unit berät und vermittelt jedenfalls gerne!

Logo GFA Support Unit / © GÖG

Wie umfangreich ist eine GFA und was kostet sie?

Die Erstberatung bei der GFA-Support-Unit ist immer kostenlos. Danach richten sich die Kosten nach dem Umfang der geplanten GFA. Man unterscheidet zwischen einer Schreibtisch-GFA (2-6 Wochen), einer kompakten GFA (6-12 Wochen) und einer umfassenden GFA (6-12 Monate), wobei bei der Kurzform das Ergebnis vor allem aufgrund von Literaturrecherche entsteht, und bei den 2 längeren Varianten auch Interviews und ein direkter Austausch von Betroffenen stattfinden. Grundsätzlich gilt: je mehr Wissen zu einem Thema schon vorhanden ist, desto knapper kann die GFA gehalten werden.

Wann ist eine GFA sinnvoll?

Eine GFA ist grundsätzlich bei jedem größeren Vorhaben, das verschiedene Interessensgruppen betrifft, sinnvoll. Ob sie auch notwendig ist, stellt sich in einer ersten Prä-Sichtung heraus. Das ist ein erstes Gespräch zwischen ProjektbetreiberInnen und GFA-kundigen Personen, in dem mittels Fragenkatalogs grob festgestellt wird, mit welchen Auswirkungen durch die Maßnahme auf die Gesundheit der Betroffenen zu rechnen ist. Eine GFA macht dann Sinn, wenn neben positiven und/oder negativen Effekten auch Verbesserungspotential für das geplante Vorhaben gegeben ist.

Warum kann eine GFA auch außerhalb des „klassischen“ Gesundheitsbereichs von Nutzen sein?

Gesundheit wird von unterschiedlichsten Faktoren beeinflusst. Dazu gehören etwa Lebens- und Arbeitsbedingungen, Bildungsstand, soziale Sicherheit, kommunale und soziale Netzwerke, Mobilität, Umwelteinflüsse, Kultur, Traditionen oder Wirtschaftslage. Ob geplant oder nicht: Maßnahmen in all diesen Bereichen haben unweigerlich auch Gesundheitsfolgen. Daher kann die GFA in all diesen und anderen Bereichen zum Einsatz kommen und dort zur Berücksichtigung der Gesundheit beitragen.

Nationale und internationale Beispiele:

Erfolgreiche Beispiele für GFA sowie alle weiterführenden Informationen finden Sie hier:

http://gfa.goeg.at/examples/national

http://gfa.goeg.at/examples/international

Regenbogengrafik der Gesundheitsdeterminanten / ©FGÖ nach Dahlgren & Whitehead

Zur Person

Mag. Gabriela Wamprechtsamer betreut das Thema der Gesundheitsfolgenabschätzung im BMASGK, Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention.