Die Agenda 2030 und die Gesundheitsziele Österreich

Die 17 SDGS / ©Vereinte Nationen

-Blogpost von Atila Kilic und Anna Fox-

Nachhaltige Entwicklung und Gesundheit für alle zugänglich zu machen, erfordert Bemühungen in allen Lebensbereichen – insbesondere das Commitment und die Zusammenarbeit von EntscheidungsträgerInnen aus Politik und Gesellschaft. Daher sind für viele der aktuellen Herausforderungen in puncto Gesundheit und Entwicklung breite und sektorenübergreifende Partnerschaften von essentieller Bedeutung. Das gilt auch für eine erfolgreiche, kohärente und effiziente Umsetzung der Agenda 2030.

Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) mit ihren 169 Unterzielen sind der Kern der „Agenda 2030“ der Vereinten Nationen. Erstmals werden die wirtschaftliche, soziale und ökologische Dimension unter dem Banner „nachhaltige Entwicklung“ in einer politischen Absichtserklärung und globalen Vision zusammengeführt. Diese wird von den 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen gemeinsam umgesetzt. In ausgewogener Weise will man die drei Gesellschaftsbereiche adressieren. Bis 2030 soll die Transformation zu einem globalen nachhaltigen Entwicklungs- und Wachstumspfad vollendet sein. Alle Staaten sind aufgefordert, die drängenden Herausforderungen der Welt gemeinsam – und nicht auf Kosten anderer – zu lösen.

SDG Mainstreaming

Viele Industrienationen haben dabei einen signifikanten Startvorteil, sowohl hinsichtlich der Zielerreichung als auch der bereits bestehenden Strukturen. Das heißt, vieles von dem, was die SDGs anstreben, ist dort bereits in Umsetzung und zumindest ansatzweise vorhanden. Deshalb haben zahlreiche Industriestaaten und Institutionen, wie die Europäische Kommission oder die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), als Umsetzungsstrategie einen Mainstreaming-Ansatz gewählt. Dadurch  bettet man die SDGs als Querschnittsanliegen in alle relevanten Politikbereiche ein.

Die österreichische Bundesregierung hat sich ebenfalls für das „Mainstreaming“ entschieden. Deshalb hat sie im Ministerrat am 12. Jänner 2016 alle Bundesministerien mit der kohärenten Umsetzung der Agenda 2030 beauftragt. Mit dem Mainstreaming-Ansatz wird ein effizientes, zielorientiertes und eigenverantwortliches Integrieren der SDGs in das „Tagesgeschäft“ der österreichischen Verwaltung und Politik ermöglicht. Die SDGs sind durch die Bundesministerien in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich in alle relevanten Strategien zu integrieren. Falls erforderlich, sind auch entsprechende neue Aktionspläne und Maßnahmen von den Ministerien auszuarbeiten. Die Einbindung aller relevanten Stakeholder erfolgt ebenfalls durch die einzelnen Ministerien.

Foto vom 67. WHO-Regionalkomitee für Europe im September 2018: SDG3 ist eingebettet in allen anderen SDGs. Die TeilnehmerInnen wurden eingeladen überall dort Punkte zu setzen, wo sie Beiträge leisten. / © Anna Fox

Gesundheit nachhaltig fördern

Die „Gesundheitsziele Österreich“ gelten als ein Best-Practice-Beispiel für die Umsetzung der Agenda 2030 in Österreich. Sie leisten vor allem einen zentralen Beitrag zur Erreichung von SDG 3 „Gesundheit und Wohlergehen“. Mit ihrem „Health in All Policies (HiAP)“-Ansatz unterstützen die Gesundheitsziele aber auch viele SDGs, die nicht direkt dem Gesundheitsbereich zuzuordnen sind. Ein Beispiel ist die Umsetzung des Gesundheitsziels „Luft, Wasser, Boden und alle Lebensräume für künftige Generationen sichern“. Es weist Bezüge zu zahlreichen SDGs (u.a. 3, 6, 10, 11, 12, 15, 17) auf. Seit Jänner 2017 entwickelt eine Arbeitsgruppe unter Leitung des BMNT und Co-Leitung des BMASGK (Bereich Gesundheit) ein Strategie- und Maßnahmenkonzept zu diesem Ziel. Momentan wird an der Auswahl geeigneter Umsetzungsmaßnahmen inkl. Messgrößen gearbeitet. Noch 2018 wird die Arbeitsgruppe einen Bericht mit den definierten Wirkungszielen, Maßnahmen, Indikatoren und Messgrößen vorlegen.

Weitere Umsetzungsbeispiele

Österreich weist auch in vielen anderen Bereichen bereits etablierte, partizipative Strategien und Strukturen auf, die für eine effiziente und zielorientierte Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung genutzt werden können. Dazu zählt zum Beispiel die ausdrückliche Berücksichtigung der SDGs in der nächsten Leistungsvereinbarung zwischen den Universitäten und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) für die Periode 2019–2021. In der im März 2017 veröffentlichten „Darstellung 2016 – Beiträge der Bundesministerien zur Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung durch Österreich“ werden zahlreiche weitere Beispiele aus  der Bundesverwaltung erläutert.

Der Mainstreaming-Ansatz als Umsetzungsstrategie in Österreich zeigt, dass die SDGs auf eine effiziente und zielorientierte Weise in den nationalen Verwaltungsprozess Eingang finden und so zu den drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung in ausgewogener Weise beigetragen können. Weitere 12 Jahre liegen vor uns, in denen Österreich aktiv an der Umsetzung der SDGs arbeiten und sich den Herausforderungen stellen wird.

Weiterführende Informationen

Die Darstellung 2016, die Kontaktdetails zu den SDGs-Ansprechpersonen in den Bundesministerien, ein SDGs-Veranstaltungskalender sowie andere relevante Informationen zu den SDGs können auf der ressortübergreifenden Informationswebseite www.sdg.gv.at abgerufen werden.

Zu den Personen

Atila Kilic ist Volkswirt und seit 2014 in der Sektion IV im Bundeskanzleramt tätig. Neben der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ beschäftigen ihn in seinem Arbeitsalltag u.a. auch diverse industriepolitische und beschäftigungsrelevante Themen im EU-Binnenmarkt, handelspolitische Fragen im globalisierten Markt oder Fragen im Zusammenhang mit der Mobilitätswende in Österreich.

Anna Fox unterstützt seit Jänner 2017 die Koordination der Gesundheitsziele Österreich im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen. Sie hat Internationale Entwicklung und Slawistik studiert und beschäftigt sich mit den gesamtgesellschaftlichen Voraussetzungen für Gesundheit und Wohlbefinden.