Umwelt und Gesundheit – eine kommt selten allein!

Kind auf einer Wiese mit Pusteblumen / ©pixabay

Die Umwelt im soziologischen Sinne ist alles, was die Menschen umgibt. Diese Definition bezieht auch die Wechselwirkungen zwischen den Menschen und ihrer Umgebung mit ein. Überall wo wir wohnen, einkaufen, arbeiten oder uns einfach nur aufhalten, wirkt die Umwelt auf unsere Gesundheit und unser Handeln auf unsere Umwelt. Laut WHO sind fast 20 % aller Sterbefälle in der WHO Euro Region Umweltfaktoren zuzurechnen.

Wie wirkt sich die Umwelt auf unsere Gesundheit aus?

Die Umwelt und unsere Gesundheit können auf verschiedene Arten belastet werden:

  1. Chemische Belastungen (zum Beispiel Freisetzung und Verbreitung von Schadstoffen in der Luft, im Wasser, im Boden, in der Nahrungskette, in Produkten des Alltags wie Kosmetika und im menschlichen Körper),
  2. Physikalische Belastungen (zum Beispiel Lärm, Partikel oder Strahlung) und
  3. Biologische Belastungen (zum Beispiel Schimmelpilze oder Blaualgen).

Die Bevölkerung vor diesen Belastungen zu schützen, ist wichtig für eine gesunde Entwicklung. Deshalb ist Umweltschutz gleichzeitig auch Gesundheitsvorsorge! Ein positives Beispiel dafür ist der globale Ausstieg aus der Verwendung von rund 100 ozonabbauenden Substanzen. Er folgte auf die Verabschiedung der Vienna Convention for the Protection of the Ozone Layer (1985) und des Montreal Protocols (1987). Laut Schätzungen können weltweit bis 2050 bis zu zwei Millionen Hautkrebsfälle und einige Millionen Katarakte („grauer Starr“) jährlich verhindert werden, weil sich die Ozonschicht zunehmend erholt. Dieses Beispiel zeigt, dass die Umwelt keine Grenzen kennt. Maßnahmen auf nationaler Ebene können eine globale Auswirkung haben. Anderseits können sich Entscheidungen die auf internationaler Ebene getroffen werden auf die lokale Umweltqualität auswirken.

Grünzeug macht gesund!

Für eine gesunde Entwicklung ist es auch wichtig ausreichend Zugang zu Grünflächen zu gewährleisten. Zahlreiche Studien belegen, dass sich der Aufenthalt in der Natur positiv auf die Entwicklung von Kindern und die psychische Gesundheit der gesamten Bevölkerung auswirkt. Deshalb ist es gut, wenn alle Menschen (und insbesondere Kinder) viele Möglichkeiten haben sich ins Grüne zu begeben und dort zu verweilen. Das bedeutet Lebensqualität!

Symbol für den Gesundheitsziele-Bereich: Luft, Wasser, Boden und alle Lebensräume für künftige Generationen sichern

Wer hat für eine gesunde Umwelt Sorge zu tragen?

Die Förderung und Erhaltung einer gesunden Umwelt und Bevölkerung liegt nicht ausschließlich in der Kompetenz oder Verantwortung eines einzelnen Politikbereiches. Entscheidungen der verschiedenen Politikbereiche auf verschiedenen Ebenen (international, regional, national, lokal) haben Einfluss auf unsere Umwelt und auf unsere Gesundheit. Ein passendes Beispiel hierfür ist der Verkehr. Die Organisation von Fortbewegung in Städten und am Land beeinflusst Umwelt und Gesundheit. Durch die Förderung aktiver Fortbewegung,  z.B. Radfahren und zu Fuß gehen, kann man Emissionen reduzieren. Außerdem wirkt sich aktive Mobilität durch ihren Beitrag zur Verringerung von Luftschadstoffen und zu mehr Bewegung auch direkt positiv auf die Gesundheit aus! Darüber hinaus dient die Verringerung der Emissionen dem Klimaschutz. Dadurch kann man negative Gesundheitsauswirkungen in der Zukunft, z.B. durch erhöhte Hitzebelastungen, vermeiden. Es gibt also potentielle Synergien und Co-Benefits zwischen verschiedenen Politikbereichen. Diese sollten man im Sinne der allgemeinen Lebensqualität der Bevölkerung nutzten.

Die Menschen können zudem durch die Stärkung des Verantwortungsbewusstseins und der persönlichen Kompetenzen von Privatpersonen sowie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern dabei unterstützt werden ihre Umwelt nachhaltiger und gesundheitsförderlicher zu gestalten.

Umsetzung des Gesundheitsziel „Luft, Wasser, Boden und alle Lebensräume für künftige Generationen sichern“

Anfang 2017 startete die intersektoral besetzte Arbeitsgruppe zum Gesundheitsziel Luft, Wasser, Boden und alle Lebensräume für künftige Generationen sichern. Sie wird vom Umweltressort (BMNT / Thomas Jakl) geleitet und hat eine Co-Leitung aus dem Gesundheitsressorts (Sonja Spiegel). Diese Arbeitsgruppe strebt an, die Umwelt nachhaltiger zu nutzen und zu schützen, um die Gesundheit und das Wohlergehen aller Menschen in Österreich zu fördern. Zu Beginn war eine Hürde, dass die Sprache der verschiedenen Bereiche sich unterschied, aber „durchs Reden kommen die Leut zamm.“ Während sechs Sitzungen definierte die Arbeitsgruppe die folgenden Wirkungsziele (sowie Indikatoren zur Messung der Erreichung der Ziele und Maßnahmen):

  • Die Grundlagen für ein gesundes Leben durch einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen sowie durch eine ebensolche Gestaltung des Lebensraumes erhalten und stärken
  • Umweltbelastungen mit potenziellen Auswirkungen auf die Gesundheit vermeiden, identifizieren, beobachten und, wenn möglich, reduzieren
  • Bewusstsein über den Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit bei Bevölkerung und Entscheidungsträgern fördern/stärken und Umweltgerechtigkeit bestmöglich sicherstellen

Die  vertretenen Institutionen meldeten rund 50 Maßnahmen ein, die der Erreichung der Wirkungsziele dienen.

Zur person

Sonja Spiegel ist seit 2012 im Gesundheitsressort im Bereich Strahlenschutz und Umwelt und Gesundheit tätig. Sie hat ein Diplom in den Ernährungswissenschaften und studiert Toxikologie.